Women’s Prize for Fiction 2018 – Die Longlist

Women’s Prize for Fiction 2018 – Die Longlist

31. März 2018 0 Von Yvonne

Die Longlist für den Women’s Prize for Fiction 2018 wurde zwar bereits am 8. März, dem Weltfrauentag, vorgestellt, aber um über interessante Literaturpreise zu berichten, ist es ja eigentlich nie zu spät.

Was ist der Women’s Prize for Fiction?

Der Women’s Prize for Fiction, gesponsert von Bailey’s, Deloitte und NatWest, ist ein britischer Literaturpreis, der ausschließlich an Frauen verliehen wird. Seit 1996 wird damit jedes Jahr der beste in englischer Sprache verfasste Roman einer Autorin geehrt, der im vorangegangenen Jahr in Großbritannien erschienen sein muss. Entstanden ist die Idee für einen Literaturpreis nur für Frauen im Jahr 1991, als auf der Shortlist für den Man Booker Prize nicht ein einziger Titel einer Schriftstellerin stand, obwohl mehr als die Hälfte aller Neu-Erscheinungen in Großbritannien in dem Jahr von Frauen stammten. Seit 1996 wird der mit 30.000 Britischen Pfund dotierte Preis nun jährlich verliehen.

Ist ein Literaturpreis für Frauen diskriminierend?

Ob ein Literaturpreis für Frauen sinnvoll, notwendig oder diskriminierend ist, ist seitdem immer wieder diskutiert worden. Tatsächlich fände ich es auch besser, in einer Gesellschaft zu leben, in der es keine Frauenquote geben muss und keine separaten Literaturpreise. Natürlich ist es diskriminierend für Männer, dass sie diesen Preis nicht gewinnen können, und für Frauen, weil es so aussehen könnte, als ob sie nur dann einen Literaturpreis bekommen können, wenn man die männliche Konkurrenz fernhält. Betrachtet man den Preis für sich genommen, kann man daher vielleicht zum Schluss kommen, dass er diskriminierend für alle Beteiligten und Nicht-Beteiligten ist.

Aber der Preis steht nun mal nicht für sich alleine da. Er ist aus der Ungleichverteilung eines anderen Preises entstanden und ist einer von vielen, die jedes Jahr verliehen werden – in der Literatur und anderswo. Und betrachtet man das gesamte Bild, so ergibt sich meiner Meinung nach durchaus eine Notwendigkeit für etwas wie den Women’s Prize for Fiction, der ja auch auf die Diskriminierung bei anderen Preisverleihungen aufmerksam macht. Dieses Jahr wurde beispielsweise zum ersten Mal überhaupt eine Frau für den Oscar in der Kategorie Beste Kamera nominiert (gewonnen hat sie nicht), und in 90 Jahren hat auch erst einmal eine Frau den Oscar für die Beste Regie mit nach Hause genommen. Von 113 Nobelpreisen für Literatur gingen genau 14 an Frauen. Auch dieses mittlerweile sehr bekannte Bild sagt mehr 1.000 Worte. Und diese Mini-Statistik, die ich persönlich ausgezählt habe, zeigt für mich, dass die Welt der Literaturpreise in Summe weniger diskriminierend ist, wenn es einen eigenen Preis für Frauen gibt. Gezählt habe ich die Gewinnerinnen und Gewinner seit 1996, also seit es den Women’s Prize for Fiction gibt.

PreisAnzahl Gewinnerinnen
seit 1996
Anzahl Gewinner
seit 1996
Nobelpreis für Literatur616
Pulitzer-Preis (Belletristik)615
Man Booker Prize715
Man Booker International Prize55
Costa Book Awards (Novel)1012
National Book Award (Belletristik)1012
Deutscher Buchpreis67
Prix Goncourt/Roman616
Preis der Leipziger Buchmesse (Belletristik)410
Women’s Prize for Fiction220
Summe82108

Natürlich erwartet niemand, dass die Preise exakt gleich auf Frauen und Männer verteilt werden. Aber rein statistisch müsste es über einen so langen Zeitraum und über verschiedene Preise hinweg schon etwas ausgeglichener sein. Denn ohne den Women’s Prize for Fiction wären mal eben 80% mehr Männer als Frauen mit den willkürlich ausgewählten Literaturpreisen geehrt worden.

Bekannte Preisträgerinnen

Unabhängig davon, ob der Preis nun sein muss oder nicht, werden hier stets gute Bücher ausgezeichnet – etwas, was man von einem sinnvollen Literaturpreis eben auch erwartet. Einige meiner Lieblingsbücher wie Wir müssen über Kevin reden von Lionel Shriver oder Beides sein von Ali Smith finden sich auf der Liste der prämierten Bücher. Und das Gewinner-Buch vom letzten Jahr, The Power von Naomi Alderman, hat mich so lange beschäftigt wie kaum ein Buch davor. Vielleicht hätten diese Bücher auch ohne diesen Literaturpreis dieselbe Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen nun zuteil wurde. Geschadet hat die Existenz des Women’s Prize for Fiction aber in jedem Fall nicht.

Die Longlist für den Women’s Prize for Fiction 2018

Für alle, die es nun gar nicht mehr abwarten können, endlich die Nominierten für den diesjährigen Preis zu erfahren, kommt hier die vollständige Liste. The Ministry of Utmost Happiness stand schon auf der Longlist für den Man Booker Prize 2017, Elmet stand sogar auf der Shortlist. Die anderen Bücher sagen mir bisher nichts, ich werde aber sicher in der nächsten Zeit einige von ihnen lesen.

  • H(A)PPY – Nicola Barker
  • The Idiot – Elif Batuman
  • Three Things About Elsie – Joanna Cannon
  • Miss Burma – Charmaine Craig
  • Manhattan Beach – Jennifer Egan
  • The Mermaid and Mrs Hancock (Die letzte Reise der Meerjungfrau: oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde) – Imogen Hermes Gowar
  • Sight – Jessie Greengrass
  • Eleanor Oliphant is Completely Fine (Ich, Eleanor Oliphant) – Gail Honeyman
  • When I Hit You: Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife – Meena Kandasamy
  • Elmet – Fiona Mozley
  • The Ministry of Utmost Happiness (Das Ministerium des Äußersten Glücks) – Arundhati Roy
  • See What I Have Done (Seht, was ich getan habe) – Sarah Schmidt
  • A Boy in Winter – Rachel Seiffert
  • Home Fire – Kamila Shamsie
  • The Trick to Time – Kit de Waal
  • Sing, Unburied, Sing (Singt, ihr Lebenden und Toten, singt) von Jesmyn Ward

Und so geht’s weiter mit dem Women’s Prize for Fiction:

Aus den 16 nominierten Titeln der Longlist werden bis zum 23. April 2018 die verbleibenden Nominierten der Shortlist durch die Jury ausgewählt. Die Gewinnerin wird am 6. Juni 2018 bekanntgegeben.