Women’s Prize for Fiction 2018 – Die Shortlist

Women’s Prize for Fiction 2018 – Die Shortlist

23. April 2018 0 Von Yvonne

Nachdem meine aktuelle Lesereihe sich um feministische Science Fiction dreht und auf meiner persönlichen Liste ausschließlich Autorinnen stehen, passt der Women’s Prize for Fiction ja sehr gut in mein aktuelles Lese-Schema. Das erste Buch meiner Lesereihe (The Power von Naomi Alderman) ist tatsächlich der Preisträger-Roman aus dem letzten Jahr.

Seit 1996 wird der Women’s Prize for Fiction jährlich an den besten Roman einer Autorin verliehen, der auf Englisch verfasst wurde und im Jahr vor der Preisverleihung in Großbritannien erschienen ist. Der Preis ist mit 30.000 Britischen Pfund dotiert und gilt mittlerweile als einer der renommiertesten britischen Literaturpreise.

Die Tatsache, dass der Preis sich explizit vorgenommen hat, die Literatur von Autorinnen zu fördern und deswegen männliche Autoren ausschließt, zieht natürlich zwangsläufig den Vorwurf nach sich, dass er Diskriminierung schafft, wo er Diskriminierung abschaffen möchte. Und tatsächlich befindet der Preis dabei in einem Dilemma, ebenso wie Frauenquote und gezielte Mädchenförderung. Denn die Frage, die sich stellt, lautet, ob es in Ordnung ist, individuell ungleich zu behandeln, um eine strukturelle Ungleichbehandlung auszugleichen.

Ich finde, ja. Denn es ist ja nicht so, dass Frauen kaum in Vorständen zu finden sind, weniger Geld verdienen und seltener Literaturpreise erhalten, weil sie dümmer oder schlechter ausgebildet sind. Die Chancen sind nicht gleich verteilt allein auf Grund des Geschlechts und damit verbundenen Vorurteilen. Wo also soll man sonst ansetzen, wenn man diese Ungleichheit abschaffen möchte? Von selbst wird das nicht passieren.

Dass Frauen in der Literatur anders wahrgenommen werden als Männer, ist ein altes Phänomen. Alice Sheldon veröffentlichte ihre Science Fiction-Geschichten unter dem Pseudonym James Tiptree Jr. und bekam prompt bescheinigt, dass eine Frau niemals so schreiben könne. J.K. Rowling kürzte ihre Vornamen bei der Veröffentlichung ihres ersten Romans ab, damit nicht jeder sofort merken würde, dass sie eine Frau ist, weil sie fürchtete, dass dies Einfluss auf die Wahrnehmung ihrer Reihe haben könnte. Meiner Meinung nach war ihre Sorge völlig berechtigt.

Ich selbst durfte auch schon erleben, auf welche Vorurteile die Kombination Frauen und Literatur häufig stößt. Als ich mich 2012 in einem Interview mit meiner leselink-Blog-Partnerin zu unserem gemeinsam Blog erdreistete, die Meinung zu äußern, dass ich die Nobelpreis-Vergabe an Mo Yan nicht so super und außerdem ziemlich intransparent fand, ergab sich ein sichtbar fröhlicher werdender Dialog auf Facebook zwischen zwei selbst ernannten Literaten, der sich weder mit meiner Aussage, noch mit mir, unserem Blog oder gar Mo Yan auseinandersetzte, sondern zum Schluss kam, dass jemand, der nur Stephenie Meyer liest, halt nicht in der Lage ist, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. Dieser Rundumschlag mit gleich drei Beleidigungen (gegen mich, Stephenie Meyer und alle, die ihre Bücher gerne lesen) basierte nicht etwa auf den Rezensionen, die ich geschrieben hatte. Tatsächlich musste ich Stephenie Meyer googeln, um herauszufinden, was man mir da „vorwarf“. Die beiden Herren hatten sich nicht die Mühe gemacht, auf unseren Blog zu schauen, um sich ein Bild über meine Literaturkenntnisse zu verschaffen. Ein Blick auf meinen Vornamen und mein Profilbild reichten völlig aus. Und von

So lange man Frauen nicht zutraut, Literatur zu verstehen, geschweige denn zu verfassen, ist ein Preis wie der Women’s Prize for Fiction wahrscheinlich nötig, um genau solche Vorurteile aktiv zu widerlegen. Insofern betrachte ich ihn gerne als Übergangslösung, die wir alle hoffentlich irgendwann einmal nicht mehr brauchen werden.

Da gerade die Shortlist für den Women’s Prize for Fiction 2018 bekannt gegeben wurde – was der eigentliche Anlass dieses Artikels ist – folgt hier natürlich eine Übersicht über die nominierten Autorinnen und Romane. Am 6. Juni 2018 wird die diesjährige Gewinnerin bekannt gegeben.

Die Nominierten für den Women’s Prize for Fiction 2018

Die Idiotin (The Idiot ) von Elif Batuman

Über den Roman:

Selin, eine US-Amerikanerin türkischer Abstammung, schafft es zum College nach Harvard, wo sie sich ziemlich fehl am Platz fühlt. Ihr besonderer Bezug zur Sprache und ihre Freundschaft mit der Serbin Svetlana helfen ihr jedoch dabei sich selbst und ihren Platz im Leben zu finden.

Über  die Autorin:

Elif Batuman wurde 1977 in New York geboren, studierte in Harvard und Stanford und unterrichtete in Stanford Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie schrieb unter anderem für The New Yorker und war 2013 Jurorin beim Man Booker International Prize. The Idiot ist ihr erster Roman.

Die letzte Reise der Meerjungfrau: oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde (The Mermaid and Mrs Hancock) von Imogen Hermes Gowar

Über den Roman:

London, im 18. Jahrhundert: Jonah Hancock ist zunächst nicht wirklich entzückt, als „sein“ Kapitän von einer seiner Reisen eine Meerjungfrau mitbringt. Dennoch bringt ihm dieser Fund zunächst nichts als Glück. Zur Rezension von Die letzte Reise der Meerjungfrau >>

Über  die Autorin:

Imogen Hermes Gowar begann ihre Laufbahn mit einem Studium der Archäologie und Kunstgeschichte, wonach sie zunächst in verschiedenen Museen arbeitete. Mit einem Stipendium studierte sie schließlich Kreatives Schreiben. Ihre Dissertation ist der Ursprung ihres Debütromans Die letzte Reise der Meerjungfrau.

Sight von Jessie Greengrass

Über den Roman:

Eine Frau ist mit ihrem zweiten Kind schwanger und denkt darüber nach, was es bedeutet, Mutter zu sein – und die eigene Mutter zu verlieren. Dabei versucht sie auch herauszufinden, wie wir dem trauen können, was in uns selbst, in unseren Körpern und Köpfen, vor sich geht und das wir nur mit der Hilfe Fremder erkennen können.

Über  die Autorin:

Jessie Greengrass wurde 1982 geboren und lebt in London. Sight ist ihr erster Roman.

When I Hit You: Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife von Meena Kandasamy

Über den Roman:

Eine junge Frau verliebt sich in ihren Professor und in das Bild, das sie sich von ihm gemacht hat. Gemeinsam können sie die Welt verändern, so glaubt sie. Doch die Beziehung entpuppt sich als Alptraum, nachdem sie gemeinsam aufs Land gezogen sind und ihr ehemaliger Traummann sie zu einer gefügigen Ehefrau machen will.

Über  die Autorin:

Meena Kandasamy wurde 1984 in Indien geboren. Sie schreibt Romane und übersetzt andere Autorinnen und Autoren. Sie versuchte sich außerdem bereits als Schauspielerin.

Home Fire von Kamila Shamsie

Über den Roman:

Isma hat ihre eigene Kindheit aufgegeben, um ihre jüngeren Geschwister nach dem Tod der Mutter großzuziehen. Diese sind mittlerweile erwachsen und Isma kann endlich ihren eigenen Wünschen nachgeben und ein Studium beginnen. Doch ihr Familienleben lässt Isma nicht los.

Über  die Autorin:

Kamila Shamsie wurde 1973 in Pakistan geboren. SEit den 1990er Jahren schreibt sie international erfolgreiche Romane.

Singt, ihr Lebenden und Toten, singt (Sing, Unburied, Sing) von Jesmyn Ward

Über den Roman:

Jojo und Kayla leben bei ihren Großeltern, die eigentlich selbst genug Probleme haben, in Mississippi. Ihre Mutter kann sich kaum um die beiden kümmern, weil die Drogen sie fest im Griff haben. Als der Vater der Kinder aus dem Gefängnis entlassen wird, scheint ein neues Leben für alle zu beginnen.

Über  die Autorin:

Jesmyn Ward wurde 1977 geboren und arbeitet als Schriftstellerin und Universitätsprofessorin. Sie wurde bereits zwei Mal mit dem National Book Award ausgezeichnet, zuletzt für Singt, ihr Lebenden und Toten, singt.